Im
Jahr 2003 hatten Claudio Sperandio und ich, Adele, gemeinsam die
Bücherbodega CLU aufgebaut - im Souterrain des Hauses Hackstr. 21, in
dem wir damals wohnten.
Den größten Teil der Aufbauarbeit leistete Claudio, weil er als
Siemans-Frührentner schon mehr Zeit hatte als ich. In dem Jahr
arbeitete ich noch bei der Uni Stuttgart als Personalrätin.
Wir hatten 1971 in Berlin geheiratet, zusammengebracht durch die 68er
Bewegung - Claudio als in der Wolle eingefärbter Kommunist,
ich als Bremer Pfarrerstochter mit ein paar Ecken im Lebenslauf.
In
Berlin sollten wir nicht mehr lange bleiben, weil die damalige
Partei unserer Wahl, die KPD/ML, von Berliner "Sandkastenspielen" weg wollte,
dorthin, wo das "Herz der Arbeiterklasse" schlug.
Das war damals wahlweise in Hamburg oder im Ruhrgebiet; wobei wir es
vorzogen, nach Oberhausen im Ruhrgebiet umzuziehen, zumal das ein
Eisenbahnknotenpunkt war.
Als Technische Assistentin fand
ich - damals sehr leicht - bei
der Gelsenberg in Gelsenkirchen eine Arbeitsstelle. Damit war eine
Werkswohnung in
Gelsenkirchen-Horst verbunden, wo unsere im Jahr 1973 durch Felix
bereicherte
Familie bis 1979 wohnte.
Claudio
hielt es nicht lange in der Führungsarbeit der
KPD/ML und in der Rote-Morgen-Redaktion. Da er aber schon
beim - wilden- Küppersbusch-Streik 1973 und auch sonstwo in
der ersten Reihe stand, war es für ihn, trotz Umschulung zum
Elektromechaniker, unmöglich, im Ruhrgebiet eine Arbeit zu
bekommen.
So zogen wir 1979 in Claudios Heimat, nach Stuttgart, um, wo
Claudio bis zu seiner vorgezogenen Rente bei der Trafo-Union, zunächst in
Stuttgart-Bad Cannstatt, dann nach
der Stilllegung der Cannstatter Firma in Kirchheim/Teck
arbeitete und in Kirchheim/Teck als Betriebsratsvorsitzender ausschied.
Mittlerweile waren
wir beide in den Hafen der DKP eingeschifft.
Der Vater von Claudio,
Rudolf Sperandio, hatte bei den Internationalen Brigaden in Spanien
1936-1939 gekämpft und war später in zweiter Ehe mit einer
Spanierin verheiratet.
Daraus und aus vielen Reisen, meist zu dritt - Claudio, Adele und
Felix - nach Spanien, Cuba
und Venezuela entstand ein Bücherschwerpunkt von CLU: "Spanische und
lateinamerikanische Literatur" - in deutscher und in spanischer Sprache.
Wir waren an der GmbH beteiligt, mit der in den 90er Jahren die
Stuttgarter Friedrich-Wolf-Buchhandlung weitergeführt wurde. Zum
Erhalt der Buchhandlung organisierten wir eine große
Bücherspenden-Aktion aus der nicht mehr bestehenden DDR, aus den neuen Bundesländern.
Ein paar Jahre später
mußten
wir die Friedrich-Wolf-Buchhandlung dann leider doch auflösen; die verbleibenden
Bestände bildeten einen Teil des Grundstockes für den heutigen
Buchladen CLU.
Weiterhin übernahm und übernehme ich Bestände von Freunden und
Genossen, so z.
B. den Büchernachlass des Buchhändlers Bernd
Spangenberg aus Marburg. Dieses Erbe-Übernehmen geht bis heute weiter.
Es zeigt sich, dass die Buch-Annahme, das Umsortieren und das
Neuanbieten die Bücher zu neuem Leben erweckt.
Zu dem Ladenangebot
kommen Büchertische, z.B. bei der Patei "Die Linke", in den Stuttgarter
Arbeiterwaldheimen und auf
Veranstaltungen oder Festen wie "Umsonst und Draußen" und dem LAB-Fest
hinzu.
Adele Sperandio. Juni 2010